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Fulterer Scherrer, Angela Glajcar und Marion Baruch: Weibliche Strategien

Die Christine König Galerie startet das Ausstellungsjahr mit vier weiblichen künstlerischen Positionen deren Arbeiten zwischen Skulptur und Bild oszillieren. Zählt man auch die Fotografien von Dorottya Vékony bei Robby Greifs „Koenig2“ dazu, die weibliche Lebenszusammenhänge verhandeln, so sind es diesmal insgesamt fünf Künstlerinnen die in der Christine König Galerie ausstellen.

Marion Baruch, 1929 in Timisoara geboren, zeigt textile Formationen – Stoffreste, aus denen die gezeichneten Kleiderschnitte bereits ausgeschnitten wurden. Wie bei einer Arbeit mit Schablonen verbindet Sie die Stoffreste und erhebt somit „Ausschuss“ zu einer künstlerischen Aussage. Dabei entstehen löchrige Wandteppiche größeren Ausmaßes, die auch als Wandvorhang oder Raumteiler fungieren können. So erscheint das textile Werk vertraut, spielt es doch mit Erfahrungen des weiblichen Lebens als Konsumentinnen und auch als Produzentinnen. Das bemerkenswerte an ihrer künstlerischen Praxis ist, dass Baruch trotz schwindenden Augenlichts und ihres hohen Alters immer noch arbeitet. Sie erfuhr ihre Ausbildung in Tel Aviv und Rom und lebt jetzt in Italien, in der Lombardei.

Lauter, ungestümer und doch eine feste geschlossen Form findend präsentieren sich die Arbeiten des Duos Fulterer Scherer. Die Künstlerinnen arbeiten seit 2007 zusammen und zeigen bei Christine König ellipsoide Arbeiten in Pastell- und Neontönen, wobei durch diese Lasur das Holz noch durscheint. Darüber ziehen Sie farbiges Kunstleder, das mit Nieten und Ösen befestigt ist und regen damit Fantasien in alle möglichen Richtungen an. Weiters zeigen sie grellfärbige Quadrate in denen die Frage nach Spannung, Raumaufteilung und Farbigkeit pointiert gestellt wird. Fulterer Scherers Arbeiten erinnern mit ihrer Buntheit und ihren Teilelementen auch an Arbeiten der New Yorker Künstlerin Ruth Root.

Die deutsche Künstlerin Angela Glajcar bespielt monumental die hinteren Räume der Galerie. Die 1970 geborene Künstlerin reißt in Papiere, die sie hintereinander anordnet, unterschiedlich große Löcher. Dabei entstehen monumentale Skulpturen, die sich durch den Raum schlängeln. Diese Drachen oder reptilienähnlichen Wesen laden ein, sie zu berühren oder in sie hinein zu kriechen. Auch hier wird ursprünglich zweidimensionales in der Zusammenschau Dreidimensional. Derzeit bemüht sich die Künstlerin die Form auch in Glas zu übersetzen. Es entstehen Schichtungen wie bei Gesteinsformationen. Nur der Riss in Papier oder Glas ist in gewissem Ausmaß dem Zufall überlassen, ansonsten sind die Arbeiten streng durchkomponiert.  Glajcar bezeichnet die Werke als „Terforation“. Das Wort setzt sich aus „Perforation“ und dem lateinischen Wort „foramen“, das übersetzt „Öffnung“, „Loch“ heißt, zusammen. Auch das lateinische Wort für Erde –„Terra“ - schwingt dabei mit.

Die Budapester Künstlerin Dorottya Vékony thematisiert bei Robby Greif in ihren Fotografien auf Glas biologisch bedingte weibliche Prozeduren wie Mutterschaft, Abtreibung, Fertilität und unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Dafür fotografierte Sie Performances von Frauengruppen in schwarz-weiß. Da trägt eine Gruppe von nackten Frauen einen weiblichen Körper, der zu schweben scheint. In einem anderen Foto recken sich Hände und Arme in die Luft die mit einer Art Fingersprache zu kommunizieren scheinen. Vékony betitelt diese Arbeiten auch mit „Subtle Transform Practices“ so als könnte man als Frau mit bestimmten Ritualen Bedrohungen wegzaubern oder bannen. Die facettenreiche Kunst von Dorottya Vékony ist eine Entdeckung wert.

Mehr Texte von Susanne Rohringer

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Fulterer Scherrer, Angela Glajcar und Marion Baruch
13.02. - 04.04.2026

Christine König Galerie
1040 Wien, Schleifmühlgasse 1a
Tel: +43-1-585 74 74, Fax: +43-1-585 74 74-24
Email: office@christinekoeniggalerie.at
http://www.christinekoeniggalerie.at
Öffnungszeiten: Di-Fr: 12-18h
Sa 12-16h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
ist das kunst oder kann das weg
Fabio Keiner | 26.02.2026 17:18 | antworten
...fällt mir leider ein dazu .)) sowas von einfallslos, peinlich hausfrauenhaft (die textildingsdas) und sonstige komischen basteleien... feministische kunst ist nicht anti-kunst (gegen patriarchale unterdrückung), sondern oma-strickstrumpf auf postmodern? einzig die (akt)gruppenperformances zeigen ein bisserl ideen und biss (wenn auch schon x-mal in den 60/70ern gezeigt. valie export, schau oba & weine! :))

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